Ideenschmiede: Carbonfasern aus Algen

Algen können Treibhausgase reduzieren, indem sie Kohlendioxid binden und in Sauerstoff umwandeln. Aus dem dabei gewonnenen Algenöl könnte irgendwann der Grundstoff für Carbonfasern hergestellt werden. 

Contact 0
Scroll Top

Im Algentechnikum der Technischen Universität München (TUM) experimentieren Forscher mit den Wasserorganismen zur Entwicklung neuer Technologien. Mithilfe der Algen können zum Beispiel Biokraftstoffe, Vitaminpräparate und Arzneien entstehen.

Doch nun hat das Wissenschaftlerteam um den Biotechnologen Professor Thomas Brück eine weitere Anwendung gefunden: Das schnelle Wachstum der Algen bindet klimaschädliches Kohlendioxid und könnte gleichzeitig in besonders umweltschonender Art und Weise Acrylnitril, den Grundstoff zur Herstellung von Carbonfasern, liefern. Bislang wird dieser fast ausschließlich aus Erdöl oder Erdgas gewonnen.

Die Münchner Methode funktioniert in mehreren Stufen: Zunächst verwandeln Grünalgen Kohlendioxid aus der Atmosphäre, aus Kraftwerken oder aus Abgasen der Stahlindustrie in Algenöl. Daraus wird unter anderem Glycerin gewonnen, das wiederum zu Acrylnitril weiterverarbeitet werden kann. Aus diesem Acrylnitril könnten dann Vorprodukt-Fasern auf der Basis von Polyacrylnitril (PAN) und anschließend Carbonfasern hergestellt werden, wie die bisherigen Laborversuche der TUM nahelegen.

speech_bubble

Wenn weltweit Algenfarmen betrieben werden, die insgesamt die Größe Algeriens haben, könnte das theoretisch beispielsweise die CO2-Emissionen der gesamten Luftfahrt ausgleichen und gleichzeitig den Leichtbau weiter unterstützen. 

Professor Thomas Brück, Technische Universität München

„Das System der Algenölherstellung ist leicht auf große Flächen skalierbar“, ist sich Professor Brück sicher. „Wenn weltweit Algenfarmen betrieben werden, die insgesamt die Größe Algeriens haben, könnte das theoretisch beispielsweise die CO2-Emissionen der gesamten Luftfahrt ausgleichen und gleichzeitig den Leichtbau weiter unterstützen.“ Und es gibt noch einen weiteren Vorteil: Da die Salzwasseralgen idealerweise in sonnenreichen Gegenden wie Nordafrika gedeihen, würde ihre Bewirtschaftung auch nicht mit landwirtschaftlichen Flächen konkurrieren, sagt Brück.

Mit ihrer Entwicklung stoßen die Münchner Forscher auf positive Resonanz. In dem von der Bundesregierung geförderten Projekt "Carbon Green" arbeitet die TU München mit der SGL Carbon und anderen Partnern an der weiteren Entwicklung der Technologie und seiner Anwendung in der Praxis. Auch der Weltklimareport bestätigt die Bedeutung der Methoder zur Herstellung von Vorprodukten für Carbonfasern und stuft sie als global relevant ein, wenngleich die Entwicklung noch am Anfang steht und sich die Methode erst noch beweisen muss.

Kontakt

Haben Sie noch Fragen? Schreiben oder rufen Sie uns einfach an, wir freuen uns.

Leiter New Technologies in der Central Innovation
Dr. Oswin Öttinger
Leiter New Technologies in der Central Innovation

phone: +49 8271 83-3523
e-mail: