Der Ausstieg aus defizitären Geschäftsaktivitäten im Rahmen der Restrukturierung des Geschäftsbereichs Carbon Fibers sowie die anhaltende Nachfrageschwäche im Marktsegment Halbleiter belasteten die Umsatzentwicklung der SGL Carbon im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025. Der Konzernumsatz verminderte sich entsprechend um 17,2 % auf 850,2 Mio. € (2024: 1026,4 Mio. €).
Durch die fehlenden Umsatzbeiträge stand die Sicherung der Profitabilität durch schnell und konsequent umgesetzte Kostensenkungsmaßnahmen im Fokus der Gesellschaft. Mit 135,0 Mio. € lag das bereinigte EBITDA 17,1 % unterhalb des Vorjahreswertes von 162,9 Mio. €, jedoch innerhalb der Erwartungen für 2025 von 130 bis 150 Mio. €. So konnte die bereinigte EBITDA-Marge mit 15,9 % auf Vorjahresniveau (2024: 15,9 %) gehalten werden.
Umsatzentwicklung
Der Umsatzrückgang im Konzern ist im Wesentlichen auf negative Volumeneffekte zurückzu-führen, zu denen alle vier operativen Geschäftsbereiche beigetragen haben. Insbesondere niedrigere Umsätze mit Kunden der Halbleiterindustrie im Geschäftsbereich Graphite Solutions (GS) belasteten den Konzernumsatz. Die GS verzeichnete mit 442,3 Mio. € einen um 96,7 Mio. € niedrigeren Umsatz als im Vorjahr. Der Umsatz des Geschäftsbereichs Carbon Fibers verminderte sich aufgrund des Ausstiegs aus defizitären Geschäftsaktivitäten um 60,9 Mio. € auf 148,9 Mio. €. Auch Process Technology (PT) konnte das hohe Umsatzniveau des Vorjahres nicht halten. Der PT-Umsatz verminderte sich leicht um 7,4 Mio. € auf 130,9 Mio. €. Belastet durch die hohe Unsicherheit in der Automobilindustrie und damit verbundene geringere Bestellvolumina sank auch der Umsatz des Geschäftsbereichs Composite Solutions (CS) um 15,8 Mio. € auf 108,8 Mio. €.
Ergebnisentwicklung
Vor allem die fehlenden margenstarken Halbleiterumsätze der Graphite Solutions (GS) belasteten das bereinigte EBITDA des Konzerns. Nach 131,0 Mio. € im Vorjahr erzielte die GS in 2025 ein bereinigtes EBITDA von 81,1 Mio. €. Im Gegenzug verbesserte sich das bereinigte EBITDA der Carbon Fibers (CF) aufgrund der Restrukturierung von minus 11,0 Mio. € im Vorjahr auf 14,1 Mio. € in der Berichtsperiode. Dazu beigetragen haben eine deutliche Reduzierung der Fixkosten und ein striktes Kostenmanagement. Leicht verminderte sich auch das bereinigte EBITDA der Process Technology von 33,0 Mio. € im Vorjahr auf 31,8 Mio. €. Eine geringere Fixkostenabdeckung aufgrund der verminderten Auslastung belasteten das bereinigte EBITDA der Composite Solutions (CS). Das bereinigte EBITDA der CS sank im Berichtszeitraum auf 11,4 Mio. € nach 18,2 Mio. € im Vorjahr.
Die Ergebnisentwicklung des abgelaufenen Geschäftsjahres wurde durch Einmaleffekte und Sondereinflüsse von insgesamt minus 92,8 Mio. € stark beeinflusst (2024: minus 118,5 Mio. €). Diese beinhalten insbesondere Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von insgesamt 65,8 Mio. €, hauptsächlich aus der Restrukturierung des Geschäftsbereichs CF mit einem Anteil von 59,8 Mio. €. Des Weiteren enthalten die Einmaleffekte und Sondereinflüsse Wertminderungen auf das Anlagevermögen von insgesamt 23,6 Mio. €. Nach diesen Bereinigungen sowie Abschreibungen von 53,4 Mio. € (2024: 58,7 Mio. €) ergab sich in 2025 ein EBIT von minus 11,2 Mio. € (2024: minus 14,3 Mio. €).
Unter Berücksichtigung des leicht verbesserten Finanzergebnisses von minus 30,4 Mio. € (2024: minus 32,6 Mio. €) sowie des Steueraufwands von 36,7 Mio. € (2024: 32,5 Mio. €) ergab sich aufgrund der umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen und damit verbundenen Sondereffekten ein negatives Konzernergebnis von minus 79,2 Mio. € (2024: minus 80,3 Mio. €).
Nettofinanzschulden, Eigenkapital und Free Cashflow
Im Geschäftsjahr 2025 konnten die Nettofinanzschulden um 8,6 % auf 98,9 Mio. € gegenüber dem Vorjahresende (2024: 108,2 Mio. €) reduziert werden. Der Verschuldungsfaktor lag zum 31.12.2025 stabil bei 0,7 (2024: 0,7). Trotz des negativen Konzernergebnisses von 79,2 Mio. € und den darin enthaltenenen restrukturierungsbedingten Wertminderungen auf Sachanlagen in Höhe von 23,6 Mio. € sowie aus der Wertberichtigung aktivierter latenter Steuern in den USA von 32,5 Mio. € blieb die Eigenkapitalquote mit 39,2 % solide (2024: 41,5 %). Die Stabilität der Finanzstruktur der SGL Carbon zeigt sich auch im Free Cashflow, der trotz vorgenommener Zahlungen resultierend aus der Restrukturierung der Carbonfaser-Aktivitäten, insbesondere die Schließung der Werke in Portugal und in den USA, mit 37,0 Mio. € gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant geblieben ist (2024: 38,7 Mio. €). In Summe ist damit die Restrukturierung auch liquiditätsmäßig nahezu abgeschlossen.
Ausblick auf das Geschäftsjahr 2026
Für das Jahr 2026 gehen wir von unverändert unsicheren geopolitischen Rahmenbedingungen und unterschiedlichen Entwicklungen in unseren wesentlichen Absatzmärkten aus. Nach einer schwachen Nachfrage für unsere Produkte aus der Halbleiterindustrie in 2025 gehen wir, aufgrund weiterhin hoher Lagerbestände bei unseren Kunden, auch für 2026 nicht von einer Erholung in diesem Geschäftsbereich aus. Auch für das Marktsegment Automotive erwarten wir eine geringere Dynamik. Insbesondere bestehende Handelshemmnisse und der zunehmende Wettbewerb aus Asien können zu einer geringeren Nachfrage nach unseren Produkten für Automobilanwendungen führen. Eine ähnliche Entwicklung erwarten wir auch für die europäische Chemieindustrie. Hier belasten insbesondere hohe Herstellungskosten und regulatorische Auflagen die Produktionsstandorte in Europa und führen teilweise zu Verschiebungen von neuen Projekten und Investitionen. Für unsere anderen bestehenden Marktsegmente, vor allem unsere industriellen Anwendungen, gehen wir für 2026 aufgrund der allgemein herrschenden Rahmenbedingungen von einer stagnierenden Entwicklung aus.
Für die Umsatzprognose des Geschäftsjahres 2026 ist zu berücksichtigen, dass sich der Ganzjahreseffekt aus der Beendigung defizitärer Geschäftsaktivitäten im Bereich Carbon Fibers Mitte 2025 vollständig erst im Umsatz 2026 widerspiegeln wird. Entsprechend der Erwartungen in unseren bestehenden Absatzmärkten sowie weitestgehend unveränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen gehen wir für das Geschäftsjahr 2026 von einem Konzernumsatz zwischen 720 bis 770 Mio. € (2025: 850,2 Mio. €) sowie einem bereinigten EBITDA (EBITDApre) zwischen 110 bis 130 Mio. € aus. Ferner wollen wir, wie in den Vorjahren, erneut einen positiven Free Cashflow erzielen, der sich auf dem Niveau des Vorjahres bewegen wird (2025: 37,0 Mio. €).
Wachstumsstrategie „SGL Growth 2030“
Ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Arbeit in 2026 und den Folgejahren ist die Entwicklung und der Eintritt in neue Wachstumsfelder. Mit der Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen und Anpassung der SGL-Strukturen an die neue Unternehmensgröße haben wir eine zukunftsfähige Plattform geschaffen, um auf Basis unseres robusten Kerngeschäfts Wachstumschancen in bestehenden und neuen Märkten bestmöglich für uns zu nutzen.
Unsere Unternehmensstrategie basiert auf drei Säulen:
- Weitere Marktdurchdringung in bereits bestehenden Märkten, z.B. der Halbleiterindustrie
- Fokussierter Ausbau unserer Position in neuen Marktsegmenten mit überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial mit bestehenden Materialien und Produkten
- Erweiterung unseres Produktportfolios durch Innovationen in bestehenden und neuen Werkstoffen
Neben unserem Kerngeschäft haben wir neue Anwendungen identifiziert, die zukünftige Wachstumsperspektiven für unser Unternehmen bieten. Dabei konzentrieren wir uns auf drei
Wachstumsfelder:
- Materialien für die Energiegewinnung. Dies sind insbesondere zertifizierte Spezialgraphite für kleine, modulare Kernreaktoren (SMRs). Für diese innovative Industrie kann SGL Carbon alle Arten des benötigten Graphites bereitstellen. Ein erster Erfolg ist die Zusammenarbeit mit X-energy in den USA, einem der führenden SMRTechnologieentwickler.
- Unsere Fähigkeiten sowie langjährige Erfahrungen als Zulieferer der Automobilindustrie ermöglichen ein erhebliches Wachstumspotenzial im Bereich der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie. Der zukünftig steigende Bedarf an Kompositmaterialien, z.B. für Drohnenkomponenten, Militärfahrzeugbauteile oder Schutzausrüstung, bietet eine Vielzahl von möglichen Anwendungen für unsere Materialien.
- Ein weiterer identifizierter Wachstumsmarkt ist die Luft- und Raumfahrtindustrie. Wir verfügen bereits über qualifizierte Werkstoffe und liefern seit mehreren Jahren Carbonfasermaterialien und -bauteile in die Flugzeugindustrie. Neben der Luftfahrt bietet die Raumfahrt Wachstumspotenzial für SGL Carbon. Auch hier werden hitze- und druckresistente Materialien, z.B. für den Bau von Trägerraketen für den Satellitentransport oder Hitzeschilde, benötigt.
Vervollständigt wird unsere Wachstumsstrategie durch die Entwicklung neuer Materiallösungen entsprechend der Anforderungen unserer Kunden. Insbesondere in den Produktbereichen Beschichtungen für die Halbleiterindustrie als auch bei Naturfasergelegen für die Automobilindustrie sehen wir weiteres zukünftiges Potenzial.
„Mit der Fokussierung unseres bestehenden Portfolios, der robusten Bilanz- und Finanzierungsstruktur sowie der ausgewiesenen Erfahrung und Expertise unserer Mitarbeitenden verfügen wir über die Basis für profitables organisches und anorganisches Wachstum. Unser langfristiges Ziel ist es, SGL Carbon als einen der führenden Anbieter für Hochleistungsmaterialien zu etablieren. Dabei ist unsere Ambition, mit einem attraktiven und ertragsstarken Portfolio bis 2030 wieder ein Milliarden-Umsatz-Unternehmen zu werden,“ betont Andreas Klein, Vorstandsvorsitzender der SGL Carbon.
Weitere Details zur Geschäftsentwicklung 2025, zur Prognose 2026 sowie der SGL Wachstumsstrategie „SGL Growth 2030“ können dem Geschäftsbericht der SGL Carbon entnommen werden.


